DIVISIONAL
18.01.26
@
Soldier Field
Chicago, Illinois,

LA Rams - eine Leidenschaft, die Leiden schafft

Fassungslos und Regungslos saß ich auf diesem Hocker in der Sportsbar. Ein Play, ein einziges Play waren wir vom Sieg entfernt. Der Passrush kam, Caleb Williams lief 15 Yard nach hinten und warf den Ball ins Nirvana. Ich wollte schon jubeln, der Ball kann doch gar nicht ankommen... WIESO? Wieso steht da jemand völlig frei in der Endzone? Ich hatte Angst - Angst, dass die Bears für 2 gehen. Ich habe immer noch Flashbacks vom Seattle Spiel. Die Bears bringen das Ding mit einem Fieldgoal stattdessen in die Overtime und jede weitere Minute wurde zur Qual. Am Ende steht wieder mal ein knapper Sieg zu buche, aber spulen wir etwas zurück und beginnen mit dem Spiel von Anfang an.

Spielverlauf

Die Bears bekamen zuerst das Angriffsrecht und die ersten Spielzüge sahen gleich sehr vielversprechend aus. Nachdem der Kickoff bis an die 37-Yard-Linie zurück getragen wurde, starteten sie mit einem 34-Yard-Pass auf WR D.J. Moore und waren direkt in Fieldgoal-Reichweite. Nach 2 Runs und einem incomplete Pass spielte HC Ben Johnson wie immer aggressiv den 4&2 aus, doch Williams Pass wurde von Durant abgefangen und das erste Momentum war direkt auf Seiten der Rams. An der 15 startend konnten die Rams einen schönen Drive hinlegen, der überwiegend passlastig vorgetragen wurde. Am Ende durfte RB Kyren Williams den Ball zu Fuß über die Linie transportieren und die Rams mit 7-0 in Führung bringen.
Die Bears-Offense wusste allerdings eine Antwort darauf. Nachdem man zweimal einen 3&1 komplettieren konnte, brachte ein langer Pass auf Loveland sie in die Redzone und ein Play später war nach einem 15-Yard-Run von Monangai der Touchdown zum Greifen nah. Abermals mussten sie allerdings den vierten Versuch ausspielen, doch dieses Mal wurden sie belohnt und konnten durch Moore zum 7-7 ausgleichen. Anschließend wurde es etwas ruhiger. Beide Teams gingen nach 3 Versuchen wieder vom Feld und auch danach schafften die Rams nur ein First Down ehe es wieder runter ging. Offensiv gelang nicht allzuviel in dieser Phase. Immerhin wusste die Defense das Spiel knapp zu halten. Nach einem abermals gut vorgetragenen Drive standen die Bears an der 32 und spielen erneut einen vierten Versuch aus. Kam Curl konnte den Run aber stoppen und die Bears verschenkten ein zweites Mal 3 Punkte. Zu diesem Zeitpunkt war eigentlich schon abzusehen, dass dies ein Spiel mit wenigen Punkten wird, daher können wir Fans und die Rams diese Aggressivität nur begrüßen, wenn man sie verteidigt bekommt! Beide Teams konnten vor der Halbzeit noch ein Fieldgoal verzeichnen, der letzte Drive der Rams machte auch wieder etwas Hoffnung auf eine Verbesserung der Offense in Halbzeit zwei, in der man auch zuerst den Ball bekam.

Leider täuschte der Eindruck und mit dem 10-10 Pausenstand ging es letztendlich auch ins letzte Viertel. Das dritte Quarter bestand ausschließlich aus Punts, abgesehen von Durants zweiter Interception an diesem Tag, der den Rams den Ball in vielversprechender Position an der 50 gab. Doch 3 Pässe waren incomplete und es wurde wieder gepuntet. Es lief einfach nicht rund!
Das letzte Viertel begann und auch die Bears mussten schnell wieder den Ballbesitz abgeben. Und endlich, endlich gab es wieder einen vernünftigen Drive der Rams! Angefangen mit 2 Runs schaffte TE Colby Parkinson einen schönen Catch and Run für 35 Yards. Von der Euphorie angetrieben kamen zwei weitere gute Pässe. Es folgte das Laufspiel und man entschied sich bei 4&1 für zu gehen, welches man verantwortungsvoll Puka in die Hand legte, allerdings nicht per Pass sondern per Lauf holte er 2 Yards. Williams durfte den Drive in Richtung Pylon beenden und man ging mit 17-10 in Führung.

Die Bears gaben sich allerdings nicht geschlagen und wussten ihrerseits sich in der Offense wieder zu steigern. Das Laufspiel funktionierte auf einmal und die Rams verfehlten mehrere wichtige Tackles. Nach einem 22-Yard-Pass auf Rome Odunze plus zusätzlicher Roughing the Passer Strafe standen die Bears 5 Yards vor der Endzone. Doch die Nerven schienen zu flattern. Jetzt, wo es entscheidend wurde, hielt die Rams Laufverteidigung und nach 3 Läufen mussten die Bears schon wieder für den Vierten gehen, welches sie ein weiters mal verpassten! Kurz zur Erinnerung: Hätte man die ersten beiden Fieldgoals genommen, hätte man hier mit einem Fieldgoal kurz vor Ende in Führung gehen können. Aber soll uns natürlich Recht sein und wir übernahmen den Ball an der eigenen 2 Yard Linie. Williams konnte uns direkt daraus befreien und schaffte ein First Down, doch leider blieb es bei dem einen und der Ball musste gepuntet werden.
Durch die Feldposition und Gegenwind kam natürlich der Punt nur bis zur Mittellinie und die Bears hatten mit 1:50 auf der Uhr nur 50 Yards zu gehen. Ein 18-Yard-Pass auf Loveland, der sich kurz darauf verletzte und durch Cole Kmet ersetzt werden sollte, ein 12-Yard-Run von Swift und schon waren sie wieder in der Redzone. Ein 6 Yard Pass, dann zweimal Incomplete und es wurde dramatisch. Season on the Line, do or die! Der Passrush kam, Caleb Williams musste flüchten, wurde mit den Händen von Jared Verse vor dem Gesicht irgendwie den Ball los, und Kmet stand fast komplett frei in der linken Ecke der Endzone - Cobie Durant hatte sich abkochen lassen. Mahomes Magic scheint auch ohne Anwesenheit der Chiefs in den Playoffs vorhanden zu sein. Das Ding ging tatsächlich in die Overtime und das Gefühl wurde sehr mulmig.

In der Overtime bekamen die Rams zuerst den Ball und gingen direkt nach 3 Plays wieder runter. Spätestens jetzt war die Angst und das schlechte Gefühl in jeder Zelle angekommen. Immerhin mussten die Bears an ihrer eigenen 16 anfangen, wussten allerdings auch mit abwechslungsreichen Pass- und Laufspiel voranzukommen. An der Mittellinie angekommen, wollte Williams das Spiel entscheiden, indem er einen Ball tief auf Moore warf. Williams entschied das Spiel, aber nicht für die Bears! Kamren Curl fing das Ding ab und machte sich mit einem Play unsterblich. Was ein Momentum-Switch, was eine Erleichterung! Nach einigen schönen Pässen schoß K Harrison Mevis den Ball ins Glück! Seattle, wir kommen!

Was lief gut?

Ein schönes Spiel war es definitiv nicht, das steht fest. Aber auch wenn wir selbst vorne nicht viel auf die Kette gebracht haben, so hat unsere Defense wenigstens dafür gesorgt, dass die Bears es auch nicht tun. Wir hatten mehrere wichtige Stops bei vierten Versuchen, welche uns definitiv im Spiel gehalten haben! Zudem durfte die Secondary der Rams 3 Interceptions bejubeln, die letztendlich spielentscheidend waren! Ich hatte im Preview die Turnovers erwähnt. Die Bears führen die Statistik ligaweit an, aber mit 0-3 in diesem Spiel aus ihrer Sicht, war das der ausschlaggebende Unterschied!

Was lief nicht gut?

Kurz gesagt, die Offense. Vielleicht auch dem Wetter geschuldet, aber da waren viele kleine Fehler drin, die sonst eigentlich nicht passieren. Die haben uns schlicht und einfach sichere First Downs gekostet und uns oft schnell vom Platz geholt. Defensiv konnten wir leider nicht sehr häufig Druck auf Caleb Williams ausüben. Und auch am Tackling müssen wir arbeiten, da waren wieder mal einige dabei, die man verpasst hat.

Man of the Match

Für mich Kamren Curl. Er hatte erst einen wichtigen Stop bei einem wichtigen vierten Versuch und dann in der Overtime rettete er das ganze Team mit seiner Interception!

Play of the Game

Auch wenn es aus neutraler Sicht sehr sicher Caleb Williams Pass für den Last-Minute-Ausgleich ist, so ist es aus Rams Sicht natürlich die eben angesprochene Interception in der Overtime!

Fazit

Das war wieder nervenaufreibend! Gegen Seattle muss eine Leistungssteigerung her, denn mit Sam Darnold & Co kommt ein ganz anderes Kaliber auf uns zu! Zudem haben die Seahawks eine krasse Abwehr, die wir mit unserer Offensivleistung aus diesem Spiel nicht knacken werden. Auf jeden Fall werden wir in dieses Spiel nicht als Favorit gehen, was oft einen mentalen Unterschied machen kann. Jetzt heißt es: eine Woche sammeln und dann bei etwas besserem Wetter in Seattle um den Einzug in den Superbowl kämpfen!