CONFERENCE
26.01.26
@
Lumen Field
Seattle,Washington

Aller guten Dinge sind drei: über Seattle nach Santa Clara?

Immer, wenn es gegen Ende Januar geht, werfen die letzten Spiele der NFL-Saison ihre bedeutsamen Schatten voraus. Noch drei Aufeinandertreffen trennen uns Fans von der langen, in großen Teilen tristen Offseason und die Rams sind noch irgendwie im Titelrennen dabei. Die Mannschaft von Sean McVay bekommt es im NFC Championship Game nämlich mit den Seattle Seahawks zu tun - zum dritten Mal in dieser Spielzeit. Was Hoffnung macht, wo die Fragezeichen sind und was die Schlüssel zum Sieg sein könnten, das lest ihr hier!

Über die Seahawks

Division: NFC West
Record: 14-3
Standing: 1st
Key Players: WR Jaxon Smith-Njigba, LB Ernest Jones IV, DL Leonard Williams, CB Devon Witherspoon

Offense der Seahawks

Zu Beginn der Saison waren die Jungs aus Seattle eine der drei, vier besten Offensiven ligaweit. Das lag zum einen daran, dass Star-WR Jaxon Smith-Njigba (kurz "JSN") sehr regelmäßig die gegnerischen DBs zerstörte und zum anderen war auch QB Sam Darnold sehr effizient und fehlerarm. Dann kam das erste Ramsspiel und der Saisonverlauf bekam einen kleinen Knick. Darnold warf beim Hinspiel in LA vier Interceptions und war maßgeblich daran beteiligt, dass die Seahawks als Verlierer die Heimreise antraten. Danach lief die Offensive unter Koordinator Klint Kubiak zwar weiter ganz gut, aber bei weitem nicht mehr mit dieser konstanten Effizienz. Auch wenn Seattle im Rückspiel gegen die Rams 38 Punkte auflegten, war die erste Halbzeit da sehr dürftig, bevor im weiteren Verlauf dann offensivseitig alles funktionierte.
Danach folgten noch ein Sieg gegen harmlose Panthers und zwei relativ leichte Gewinne gegen die 49ers, in denen jedoch auch Kubiaks Unit nicht glänzte. Sam Darnold macht einfach aktuell (noch) genug, um Profit aus der herausragenden Defense und den guten Special Teams schlagen zu können. Super spektakulär ist Seattles Offense aber nicht mehr.
Schauen wir noch auf Darnolds Waffen: Wide Reciever JSN beendete die reguläre Spielzeit auf Platz 1 in Recieving Yards und ist der eine Superstar unter den Skill Playern. Obwohl er seit Woche 12 nur einmal mehr als 100 Yards fing, gilt es ihn also besonders einzufangen. Mit Cooper Kupp und Rashid Shaheed ist die Recievergruppe ausgewogen und gut besetzt, aber wie diese beiden aktuell unter richtigem Druck funktionieren, haben wir länger nicht gesehen. Shaheed beeindruckt zuletzt jedoch durch seine starken Punt und Kick Returns, ihm gelangen sogar 2 Touchdowns hier.
Das Laufspiel ist der Schlüssel zu Seattles Offense. Die Nummer 2, Zach Charbonnet riss sich im letzten Spiel das Kreuzband. Kenneth Walker hingegen kommt ebenso aus einer guten Saison und verzeichnete gegen die Niners gleich wieder 3 TDs. Dafür ausschlaggebend ist auch die stabilisierte O-Line. Left Tackle Charles Cross hat unlängst eine Vertragsverlängerung unterschrieben und steht damit sinnbildlich für die Verbesserung an der Line of Scrimmage. Bei den Gastgebern trainierte allerdings (Stand: Donnerstag) keiner der drei Tackles für die linke Seite. Daher gibt es personelle Fragezeichen, die sich wohl erst in der Nacht auf Montag endgültig klären.

Seahawks-Defense

Die Verteidigung ist eine Top 3-Unit der Liga. Headcoach Mike Macdonald coacht sie herausragend und wenn man zweimal hintereinander eine Offensive von Kyle Shanahan ohne Touchdown hält, sagt das schon sehr viel aus. Die Defense ist durch und durch stark besetzt, das beginnt schon an der Line of Scrimmage. DeMarcus Lawrence und Leonard Williams sind hier zwar Aushängeschilder und kreieren durch ihre Präsenz Raum für ihre Mitspieler, aber sie produzieren auch. Allein in den beiden Spielen gegen die Rams hat Lawrence sieben Pressures gesammelt, selbst wenn keine Sacks dabei herauskamen. Hinter der Line hat Ernest Jones IV - der altbekannte, frühere Super Bowl Champion in LA - eine bärenstarke Saison hinter sich. Er führt das Team nicht nur in Tackles an, sondern verzeichnete obendrauf 5 Interceptions inklusive eines Pick 6. Natürlich muss sich das Backfield von Macdonald ebenso wenig verstecken. Devon Witherspoon und Julian Love sind große Namen, besonders herausheben möchte ich aber Nick Emmanwori. Der Rookie-Safety spielt überall auf dem Feld, ist ein physisches Monster und hatte in seinem ersten NFL-Jahr einen gewaltigen Impact auf diese Defensive.
Zusammengefasst wird das auf jeden Fall eine große Challenge für Matthew Stafford, Puka Nacua und insbesondere Sean McVay.

Wichtige Matchups

Sean McVay vs. Mike Macdonald
Die beiden Coaches treffen zum fünften Mal aufeinander, seitdem die Macdonald in Seattle an der Seitenlinie steht. Bereits 2023 gab es allerdings das Duell mit ihm als DC der Ravens, was die Rams in Overtime verloren. Ins sechste Aufeinandertreffen geht man also mit positiver Bilanz für den Seahawks Headcoach. Das und die allgemeine Verfassung seiner Verteidigung ist ein großer Grund, warum die Seahawks als leichter Favorit in das Duell um den Platz im Super Bowl gehen. Diese Defense ist in der Lage, knappe Spiele an sich zu reißen und auch Elite-Offenses zu limitieren. So passiert in Woche 11: Die Rams hatten 2 gute Drives im ersten Quarter und dann kam gar nichts mehr. Da die Jungs von Sean McVay auch in den letzten 4 Wochen nie so richtig komfortabel wirkten, wird der Plan hier umso wichtiger. Wenn McVay ein gutes Spiel callt und die Balance aus konservativem Laufspiel und explosiven Passplays in den richtigen Momenten findet, können die Rams aber auch der Seahawks Defense gefährlich werden.

Rams Interior D-Line vs. Seattle Interior O-Line
Egal wie der Spielstand ist, es gilt bei jedem Play vor allem eins: Druck auf Sam Darnold schaffen. Seattles Spielmacher neigt dann zu leicht panischen Würfen oder wird halt gesackt. Da unklar ist, ob und wie fit Seahawks Tackle Charles Cross spielen wird, konzentriere ich mich hier auf das Matchup in der Mitte der jeweiligen Lines. Die Defensive Tackles Kobie Turner, Poona Ford und Tyler Davis werden nicht nur eine große Rolle im Laufspiel spielen, sondern auch der Schlüssel im Passing Game sein können. Turner hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er in großen Spielen seine Plays macht und auch Ford ist immer zumindest ein großer Körper, der vom Center oder einem Guard bewegt werden muss. Auf Seiten der Kubiak-Offense stehen hier Grey Zabel und Jalen Sundell im Fokus. Besonders Center Sundell hatte zuletzt immer mal wieder Probleme und könnte die Schwachstelle der Line sein.

Special Teams
An dieser Stelle könnte das größte Mismatch lauern. Die Seahawks Special Teams sind gut gecoacht und ligaweit in allen Bereichen nicht weit weg von der Spitze. Rashid Shaheed ist ein explosiver Returner, wie es auch die Rams in Woche 16 schmerzlich erfahren mussten. Kicker Jason Myers spielt eine super Saison und kann auch bei langen Distanzen mit hoher Wahrscheinlichkeit Punkte aufs Board bringen.
Auf Seiten der Rams sieht das etwas anders aus: die Returner Xavier Smith, Jordan Whittington und Ronnie Rivers haben alle bisher keine großen Ausrufezeichen setzen können. Gerade im Wildcard Spiel in Carolina wurde kurz vor Schluss ein Punt geblockt, während gegen die Bears mit ähnlichem Uhrenstand Punter Ethan Evans den Ball nur an die Mittelfeldlinie bringen konnte. Der Kicker Harrison Mevis, der seit Saisonhälfte das blau-goldene Jersey trägt, hat zwar erst einen Kick verpasst, aber dennoch ist er nahezu ungeprüft aus größeren Entfernungen.
Generell halte ich so schon bei Kicks in der Regular Season oft die Luft an, aber dieses Championship Game kann definitiv auf Special Teams-Ebene entschieden werden.

Injury Report

Fazit

Das NFC Championship zwischen Rams und Seahawks hat schon im Vorlauf so viele Storylines, dass sie schier nicht alle zu beleuchten sind. Das Spiel zwischen den auf dem Papier beiden besten verbleibenden Mannschaften wird sicherlich erneut durch kleine Facetten entschieden. Wenn die Rams weiterhin ihre Turnover minimieren und mit der Offensive das Spielgeschehen kontrollieren können, wäre das ein großer Schritt in Richtung Super Bowl. Aber auch die Defense hat gezeigt, dass sie für Turnover und Stops sorgen kann. In der Nacht auf Montag um 0:30 Uhr deutscher Zeit wird ein weiteres Kapitel der Geschichte zwischen den beiden Rivalen geschrieben und ich kann es kaum abwarten.