DIVISIONAL
23.01.22
@
Raymond James Stadium
Tampa,Florida

GOAT Busters

Einleitung

Es grenzt eigentlich fast an Wahnsinn, eine vermeintlich sichere Führung in den Playoffs gegen Tom Brady herzuschenken. Es waren noch etwa 3:20 Spielzeit im letzten Viertel, als Tom Brady einen 55 Yards Touchdown Pass auf WR Mike Evans warf. Vor diesem Wurf führten die Rams mit 27:13, Brady verkürzte auf einen Rückstand von sieben Punkten... Was danach geschah, sorgte bei der Mehrheit der Rams Fans für graue Haare und einem Gemütszustand zwischen Bangen und Euphorie, doch der Reihe nach.

Spielverlauf

Erstes Quarter
Die Rams gewannen den Coin Toss und entschieden sich fürs Verteidigen. So bekam die Buccaneers Offense zuerst den Ball. Der erste Drive der Buccaneers begann mit zwei guten Laufspielzügen über RB Leonard Fournette, der erst wenige Tage vor dem Spiel von der Verletztenliste aktiviert wurde. Der laufende Drive konnte dann aber von den Rams gestoppt werden. CB Darious Williams sorgte nach einer Third-Down-Conversation dafür, dass die Buccaneers keinen Raumgewinn mehr erzielen konnten und zum Punten gezwungen waren.
Der erste Rams-Drive war gespickt mit zwei explosiven Spielzügen, einen 20 Yard Pass von Stafford auf Odell Beckham und einen 29 Yard Pass auf Tyler Higbee. Die Rams standen bei 3&8 innerhalb der 10 Yards Line der Buccaneers. Die Buccaneers Defense hielt allerdings dem ersten Ansturm der Rams Offense stand und erzwang einen Fieldgoal-Versuch bei 4th and Goal, welcher von Matt Gay sicher zum 3:0 verwandelt wurde. Die Führung wurde kurz vor Ende des ersten Quarters durch einen 7-Yard-Touchdownpass von Stafford auf Ersatz-Tight End Kendall Blanton weiter ausgebaut. Die Rams Defense, die wieder exzellent aufgelegt war, schaffte es erneut, die Offense der Buccaneers bei einem Fieldgoal-Versuch zu halten. Buccaneers Kicker Ryan Succop verkürzte aus kurzer Distanz den Rückstand auf 10:3.

Zweites Quarter
Das zweite Quarter begann fulminant. Stafford wurde an der eigenen 30 Yard Line von Vita Vea gesackt. 3rd and 20 galt es nun zu überbrücken. Mit einem 70 Yard Touchdown Pass von Stafford auf Cooper Kupp antworteten die Rams unwiderstehlich und bauten ihre Führung auf 17:3 im zweiten Quarter aus. Nachdem beide Team ihren nächsten Drives jeweils mit einem Punt beenden mussten, waren es die Buccaneers, die wieder in Fieldgoal Reichweite waren. Allerdings verschoss Ryan Succop das Fieldgoal aus 48 Yards, die Buccaneers blieben somit ohne weitere Punkte. Einen erneuten Punktegewinn schafften die Rams in Person von Matt Gay, welcher ein 40-Yard-Fieldgoal erzielte. Die Rams führten zwei Minuten und 20 Sekunden vor dem Ende der ersten Halbzeit mit 20:3.
Nach einem Sack von Aaron Donald an Tom Brady lief die Uhr bis zur Two-Minute- Warning herunter. Es folgte eine Interception eines Passes von Brady, gefangen vom aufmerksamen Safety Nick Scott. Diese Interception gab den Rams erneut die Möglichkeit, ihre Führung auszubauen. Doch leider konnte daraus kein Kapital geschlagen werden, da Cam Akers an der 1-Yard-Linie der Buccaneers den Ball fumbelte und dieser von Bucs-Safety Antoine Winfield recovert werden konnte.
Die Buccaneers entschieden sich mit nunmehr 19 Sekunden auf der Uhr, diese auslaufen zu lassen und in die Halbzeit zu gehen.
Halbzeitstand: 20:3.

Drittes Quarter
Der erste Drive nach der Halbezeit endete mit einem Punt von Johnny Hekker, welcher den Ball an die 5 Yard Line der Buccaneers bugsierte. Auch in der zweiten Halbzeit begann die Buccaneers-Offense holprig und der erste Drive endete ebenfalls in einem Punt. Mit einem 33-Yard-Puntreturn von Returner Brandon Powell waren die Rams in guter Position um mit Matthew Stafford erneut auf Punktefang zu gehen. Sie marschierten über das Feld und schafften durch Staffords Sneak einen 1-Yard-Touchdown. Dieses mal sah der Touchdownlauf von Stafford schon deutlich besser aus, nachdem es im Wildcard Game gegen die Cardinals etwas komisch aussah und erst im dritten Versuch klappte den Ball über die Linie zu drücken. Ein weiteres Field Goal durch Ryan Succop aus 31 Yards bescherte den Bucs die nächsten Punkte. Die Rams Offense betrat wieder das Feld, aber so schnell wie sie auf dem Feld waren, mussten sie auch schon wieder runter. Grund war der nächste Fumble der Rams. Dieses Mal war es der sonst traumwandlerisch sichere Cooper Kupp, der den Ball nicht ausreichend sichern konnte. Den erneuten Ballbesitz münzten die Bucs dann direkt in ihren ersten Touchdwon des Spiels um. RB Fournette lief den Ball in die Enzone, um mit Ende des dritten Quarters auf 27:13 zu verkürzen.

Viertes Quarter
Ein Viertel ,das man so schnell nicht vergessen wird und das bis über das Spielende hinaus für Gesprächsstoff sorgen wird. Der erste Drive gehörte den Rams, dieser endete aber in einem Punt.

Achtung, ab hier wird es wild! Weiterlesen auf eigene Gefahr. :)
Rams Linebacker Von Miller sorgte mit einem Strip-Sack für den ersten Fumble der Bucs. Miller recoverte seinen eigenen Fumble und sorgte so für erneuten Rams Ballbesitz. Center Brian Allen, der mit dem Snap auf Stafford eigentlich vertraut sein sollte, sorgte mit einem viel zu frühen Snap dafür, dass der Ball über Stafford hinweg segelte. Niemand von den Rams reagierte so schnell wie Tampas Edge Rusher Jason Pierre-Paul, der sich den Ball krallte und Brady erneut aufs Feld schickte. Turnover Nummer drei der Rams! Wenn du eines nicht machen darfst ist es Brady zu viele Geschenke zu machen.
Die Rams-Defense hielt die Bucs-Offense bis dato gut in Schach. Leonard Floyd sackte Tom Brady an 36 Yard Line der Rams. Die Buccaneers mussten den nun den vierten Versuch in Anspruch nehmen, wollten sie das Spiel noch irgendwie gewinnen. Der Versuch gelang nicht, aber eine total unnötige Unnecessary Roughness Strafe von S Eric Weddle gab den Bucs Fans wieder Hoffnung. Allerdings entschieden die Refs das es sich hierbei um ein Dead-Ball-Foul handelte, was den Rams wieder den Ball gab trotz der Strafe. Ein unnötiges Play eines so erfahrenen Spielers wie es Weddle ohne Zweifel ist.
Die Rams nahmen mit dem anschließenden Drive ordentlich Zeit von der Uhr und kamen in Field Goal Reichweite. Der sonst sichere Matt Gay vergab die Chance, die Rams Führung weiter auszubauen. Matt Gay hatte zu diesem Zeitpunkt eine Verletzung, die dafür sorgte, dass einer der beständigsten Spieler einen Fehler machte.
Die Bucs mussten nach ihren vergebenen vierten Versuch, das Feld schon wieder verlassen. Die Rams bekamen mit verbleibenden 4:26 Minuten im letzten Quarter erneut den Ball, konnten aus dem Ballbesitz aber nichts zählbares machen. Jeder, der hier vermutet, das wäre noch nicht wild genug gewesen, irrt sich.

3:20 Minuten auf der Uhr. Brady auf WR Mike Evans, Jalen Ramsey wirkt, als ob er mental schon im hochverdienten Feierabend wäre, 55-Yard-Touchdown Buccaneers. Die Bucs haben es tatsächlich geschafft, das Spiel wieder spannend zu machen und auf 27:20 verkürzt! Die LA-Fans fingen schon an, zu beten. Auf keinen Fall konnte ein Superbowl 2017-Szenario eintreten, als die Atlanta Falcons eine 28:3 Führung gegen Tom Bradys Patriots verspielten. Die Rams bekamen nun also mit 3:20 Minuten erneut den Ball nach den erneuten Punkten der Bucs. Mit Laufspielzügen gelang es zunächst gut, eine Minute von der Play Clock zu nehmen, bis... BIS CAM AKERS DEN BUCS NOCH EIN GESCHENK MACHTE! Der vierte Fumble der Rams an diesem Spieltag, unfassbar! Es kam, wie es kommen musste: Brady und die Bucs schafften den Ausgleich durch einen Rushing Touchdown von "Late Season Lenny" Fournette. 27:27 bei verbleibenden 42 Sekunden und nur noch einem Timeout?

Zugegeben, es gibt bessere Situationen um einer drohenden Overtime etwas entgegen zu setzen.

Erste Aktion, Stafford wird gesackt. Sean McVay nimmt sein letztes Timeout.

Nächstes Play: Stafford auf Kupp, 20 Yard Raumgewinn. Noch 29 Sekunden. Uhr gestoppt, denn Kupp fiel ins Seitenaus.

Nächstes Play: Stafford auf Kupp, 44 Yard Raumgewinn, die Rams sind in machbarer Field Goal Range. Die Uhr tickt gnadenlos. Stafford winkt wild mit den Armen, pusht alle, um zur Line of Scrimmage zu rennen, sich in Position zu bringen, damit er schnell den Ball spiken kann! Er schafft es. 4 Sekunden noch auf der Uhr!

Der angeschlagene Matt Gay kommt aufs Feld.
Snap ist gut, Hold ist gut, Kick ist....GUT!
Er trifft!! DIE RAMS GEWINNEN.
Endstand: 30:27.

Was lief gut?

McVay und die Rams hatten eigentlich einen Gameplan, der gut funktionierte. Offensive und Defensive überzeugten. Stafford hatte wieder einen guten Tag. Von geworfenen 38 Bällen brachte er 28 Bälle für insgesamt 366 Yards an und erzielte damit zwei Touchdowns, einen weiteren holte er mit den eigenen Beinen. Staffords Leistung in den Playoffs bisher ist genau die, die er in der Regular Season das eine oder andere Mal vermissen lassen hat. Besonders hervorzuheben ist, dass von den insgesamt vier Turnovern keiner auf Stafford zurück fällt. Das ist genau der Stafford, den sich McVay und die Fans wünschen.
Da LT Andrew Whitworth wegen einer Knieverletzung ausfiel, musste Joe Noteboom ihn vertreten. Er vertrat Whitworth gut, mehr als gut, die PFF-Werte beim Pass Block waren hervorragend. Und sollte Whitworth nach der Saison seine Karriere beenden, hätten die Rams hier einen möglichen Nachfolger in ihren eigenen Reihen.
Die Defense war sehr stark. Safety Nick Scott spielte wirklich gut. Seine Interception war mit Sicherheit ein Highlight. Die Defensive Line der Rams war wieder dominant und gab Brady kaum Zeit, seine geliebten kurzen Pässe an den Mann zu bringen. Aaron Donald, Von Miller, Greg Gaines, Ogbonnia Okoronkwo und Leonard Floyd sackten Tom Brady insgesamt drei Mal und sorgten mit ihren Sacks jeweils für wichtigen Raumverlust auf Seiten der Buccaneers.

Was lief schlecht?

Ganz oben stehen natürlich die Turnover, die in keinem Gameplan stehen. Die Turnover waren allesamt individuelle Fehler bzw. großes Pech von Cam Akers, Cooper Kupp und Brian Allen. Diese Turnover brachten die Buccaneers immer wieder zurück und gaben ihnen Hoffnung, das Spiel doch noch drehen zu können. Das Endergebnis spiegelt am Ende den Spielverlauf nicht wider, denn über weite Strecken wurde das Match klar von unseren Jungs dominiert, mit vier Ballverlusten weniger wäre es im Leben nicht so knapp und spannend geworden. Die Unneccessary-Roughness-Strafe gegen Eric Weddle hätte den Rams mehr Schaden zufügen können, wenn die Refs nicht auf ein Dead-Ball-Foul entschieden hätten. Von einem erfahrenen Spieler wie Weddle erwartet man mehr Cleverness in einer solchen Situation.

Man of the Match

Da kann man wieder mehrere Spieler benennen. Cooper Kupp, der den wichtigen Ball von Stafford fing, um im Fieldgoal-Reichweite zu kommen? Stafford, der den wichtigen Ball auf Kupp geworfen hat? Oder Matt Gay, der das entscheidende Field Goal schoss, das die Rams eine Runde weiter gebracht hat?

Meine Wahl fällt auf Matthew Stafford, der die Rams in der absoluten Crunch Time angeführt hat, der das Team in Position für den Sieg brachte. Zwei Touchdownpässe, ein Rushing-TD, keine Turnover, 366 Pass-Yards und ein QB-Rating von 121,2 sind gute Argumente, um ihm zum Man of the Match zu küren.

Fazit und Ausblick

Die Rams sind in Playoff-Form. Sie fliegen mit einem Sieg und einem blauen Auge zurück nach Los Angeles. Dieses Spiel sollte ihnen eine Lehre sein. Die 49ers kommen erneut ins SoFi Stadium und werden solche Geschenke mit Kusshand annehmen. Dass die Rams die Niners prinzipiell schlagen können, haben sie in Week 18 gezeigt. Leider nur eine Halbzeit lang. Mit dieser bitteren Niederlage zum Ende der Regular Season im Hinterkopf dürften die Spieler erst recht motiviert sein, nicht zum dritten Mal in dieser Saison gegen die 49ers zu verlieren.