WEEK 14
13.12.21
@
State Farm Stadium
Glendale,Arizona

Rams 30-23 Arizona: Oscarverleihung in Glendale

Der "Blockbuster in Glendale" war das erwartet knappe und spannende Spiel. Und auch wenn kurzfristig einige Stuntmänner statt den Stars vor die Kamera mussten, konnten die Rams den Sieg mitnehmen. Und das war statistisch gesehen gar nicht so unwahrscheinlich, schließlich sind die Cardinals auswärts mit sieben Siegen in sieben Spielen immer noch ungeschlagen, zuhause haben sie aus sechs Spielen aber nur drei Siege geholt. Wir schauen aufs Spiel zurück und vergeben ein paar Trophäen.

Spielverlauf

Um diesem Spiel gerecht zu werden, kann man nicht einfach beschreiben, was passiert ist. Jeder, der die 16 Minuten und 41 Sekunden Zeit hat, sollte das offizielle Game Recap auf YouTube anschauen, wir gehen hier nur auf die großen Highlights ein.
Die Rams gewannen den Coin Toss und sicherten sich den Ballbesitz zu Beginn der zweiten Hälfte. Aus dem Drive resultierte ein 53-Yard-Field für Arizona, da eine Miscommunication zwischen QB Kyler Murray und WR A.J. Green bei 3rd and 10 einen eigentlich sicheren Touchdownpass harmlos auf den Rasen tropfen ließ. CB Kareem Orr und S Nick Scott hatte Green da bereits hinter sich gelassen, entschied sich aber für den Weg Richtung Pylon und Murray hatte etwas weiter feldeinwärts geworfen. Der Drive der Rams endete nach ein paar Pässen, die ihre Ziele allesamt verfehlten, in einem schmerzhaft kurzen 38-Yard-Punt von Johnny Hekker, der aber immerhin so hoch war, dass die Gunner schon beim Returner waren, als der Ball herunter kam: Fair Catch. Einige gute mittellange Pässe von Murray später brachte ein athletischer einhändiger Catch von RB James Conner die Cardinals an die Fünf-Yard-Linie. Doch dann war es Zeit für die Defense, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken. Aaron Donald tippte den Pass in die Endzone minimal, woraufhin Ernest Jones leichtes Spiel hatte, das Ei auf der Goal Line zu pflücken und 33 Yards das Feld hinaufzutragen, wo er von Murray selbst aus dem Gleichgewicht gebracht wurde, so dass die Cardinals dann mit vereinten Kräften einen Touchdown Return verhindern konnten. Doch nur ein paar Plays später, zu Beginn des zweiten Quarters, warf Matt Stafford einen kurzen Pass auf OBJ in Single Coverage, der zum 7:3 der Rams führte.

Die Defense war daraufhin wieder gefordert, und sie lieferte ab. Aaron Donald erzielte seinen zweiten Sack des Spiels, und sowohl Greg Gaines, der ein sehr gutes Spiel machte, als auch Von Miller waren mehrfach nah dran, Murray im Backfield von den Beinen zu holen. Einige Flaggen brachten Arizona in eine missliche Lage: 3rd and 23. Mit dem Rücken zur eigenen Endzone sprintete Murray an den Edge Rushern vorbei, schaffte es über die Line of Scrimmage, aber wurde dann von Greg Gaines eingeholt und zu Boden gebracht. Das warf Fragen zu seiner Geschwindigkeit auf, die auf Twitter direkt besprochen werden mussten:

Tatsächlich muss man diesen Stop mindestens zur Hälfte Ernest Jones gutschreiben, der Kyler bei diesem Play die Running Lane blockierte und Gaines so die Chance gab, aufzuholen. Die nächste Rams-Possession mündete in einem 55-Yard-Fieldgoal durch Matt Gay. Eine starke individuelle Defensivleistung der Rams an der eigenen Goal Line wurde leider nicht belohnt, Jordan Fullers Stop gegen TE Zach Ertz nur Millimeter vor der Linie bedeutete zwar 4th and Goal, doch James Conner war im Do-or-die-Play nicht zu stoppen. Damit stellte er den Franchise Record der Cardinals für mindestens einen Rushing TD in sieben aufeinanderfolgenden Spielen ein. Ein langer Ball auf Beckham und viele Yards after Catch brachten die Rams dann durch ein weiteres Field Goal aus 35 Yards mit 13:10 in Führung, doch Murray führte die Cardinals mit zwei Timeouts und einem spektakulären Run, der ihn mit einer Sekunde auf der Uhr ins Aus führte, in unter 35 Sekunden über das Feld, so dass sie durch ein FG aus 53 Yards ausgleichen konnten.

Das dritte Viertel gehörte ganz den Rams. Erst gab es neue Downs wegen einer Roughing the Passer-Strafe gegen Arizona, woraufhin Stafford eine Bombe, nein, eine superpräzise Langstreckenrakete auf Van Jefferson platzierte: 52-Yard-Touchdown. Eine Interception durch Leonard Floyd an der Cardinals-30-Yard-Linie ermöglichte nur wenige Plays später einen Touchdownpass zu Cooper Kupp, der knapper nicht hätte sein können. Stafford fand das Nadelöhr zwischen den Handschuhen des Verteidigers und zielte dort hindurch in die sicheren Hände von Kupp, der nah am Pylon in der Endzone mit dem Ball zu Boden rutschte. Neuer Spielstand: 27:13. Die verbleibenden acht Minuten des dritten Viertels zeigten, dass die Rams den Verlust von Jalen Ramsey gut verschmerzen konnten. Die Arizona-Offensive wurde im "Bend, but don't break"-Stil komplett neutralisiert, ihnen gelang kein einziger Punkt, auch weil ein Turnover on Downs LA wieder in Ballbesitz brachte. Aber auch die Rams mussten einmal punten. Erneut schoss Hekker den Ball fast bis zum Mond, holte aber nur knapp über 40 Yards Reichweite heraus, immerhin ohne Return. Nur eineinhalb Minuten nach Beginn des vierten Quarters, konnten die Rams James Conner erneut nicht stoppen. Aus der Wildcat-Formation ging es für den Running Back direkt in die Endzone, und das, obwohl mehrere Verteidiger an ihm hingen. Dann war es an den Rams, aus Scheiße Gold zu machen. Nach einem berechtigten Offensive Holding Call gegen Van Jefferson hieß es 1st and 20, doch der lange Ball auf den diagonal über das Feld sprintenden Cooper Kupp war gut für ein First Down an der 25 von Arizona. Aus einer nicht gecallten Facemask an Stafford bei 3rd and Goal resultierte ein Field Goal aus 33 Yards: 30:20. Danach wurde es nach einem Field Goal für Arizona und einem gewonnenen Onside-Kick, bei dem sich Rozeboom und Burgess nicht mit Ruhm bekleckerten, nochmal spannend, doch Aaron Donald beendete das Spiel mit seinem dritten Sack, nachdem vorher einige mögliche Interceptions durch die Hände der Rams-Verteidiger gerutscht waren.

And the Oscars go to...

Beste Hauptrolle: Aaron Donald
Zweifelsohne kann man nach drei Sacks und fünf Tackles insgesamt davon reden, dass Donald diesem Spiel seinen Stempel aufgedrückt hat. Doch es war mehr als das: Zweimal wurde er so offensichtlich gehalten, dass die Referees nicht anders konnten, als die gelben Taschentücher zu zücken. Beide Male war es in wichtigen Situationen, in denen Arizona eigentlich ein First Down sicher hatte. Und dazu wohnte er zumindest in diesem Spiel in Kyler Murrays Vorgarten.

Beste Nebenrolle: Joe Noteboom
Ohne Starting Right Tackle Rob Havenstein, der von Joe Noteboom vertreten wurde, hätte man denken können, dass Matt Stafford ordentlich auf die Mütze bekommen würde. Ein Chandler Jones ist nun mal keine Laufkundschaft. Und doch schaffte dieser gerade mal einen Sack, in den sich Stafford mehr oder weniger selbst hinein manövrierte. Noteboom machte seine Sache so gut, dass er von den Kommentatoren kaum erwähnt wurde, was für einen Reservespieler eigentlich immer ein gutes Zeichen ist. Gegen Jacksonville wurde er schon als sechster Lineman eingesetzt, dabei hinterließ er bereits bleibenden Eindruck, wie man sieht:

Bestes Script: Jefferson-Familientreffen
Zwei Mitglieder der Familie Jefferson waren an diesem Spiel beteiligt, und zwar auf verschiedenen Seiten des Feldes. Van Jefferson, welcher sich mit 2 Receptions für 58 Yards, einem Lauf für 10 Yards und einem Touchdown am Spiel beteiligte, hat nämlich einen Vater. Dieser ist beruflich WR-Coach in Arizona. Es ist schon das dritte Mal, dass die beiden sich gegenüberstehen: Papa Jefferson war letzte Saison noch bei den Jets und coachte deren Passempfänger zum Upset Win gegen seinen Sohn.

Beste Kamera: Odell Beckham Junior
Dass NFL-Spieler in den sozialen Medien aktiv sind und Ideen für ihre Tänze nach einem Touchdown auch von TikTok und Instagram holen, gehört mittlerweile eher zum Standard. Odell brachte es allerdings schon vergangene Woche aufs nächste Level, als er sich im Stile eines Videospiels selbst wiederbelebte. Dieses Mal kopierte er zusammen mit Van Jefferson ein viral gegangenes Video, in dem ein Security-Mann aus Detroit einen Angreifer entwaffnet und die Waffe gegen diesen richtet, nur mit dem Football.

Bester Sound: Cooper Kupp
Direkt nach dem Spiel findet Cooper Kupp nicht zum ersten Mal die richtigen Worte (bzw. Jubellaute), dieses Mal spricht er sie sogar in sein eigenes Handy. Und er hat Besuch!

Fazit, Ausblick und Kritik

Die Rams waren Underdogs, die Rams konnten gewinnen. Klasse! Matt Stafford machte ein Spiel ohne Turnover, welche uns in den drei kürzlich erlittenen Niederlagen immer aus dem Rhythmus bzw. ins Hintertreffen gebracht hatten. Die jungen Receiver leisteten sich ein paar blöde Flaggen, aber grundsätzlich war die Offensive gut im Flow. Sehr gut! Sony Michel hatte ein überdurchschnittliches Spiel mit 20 Carries und 79 Yards, darunter ein Run für 18. Rock Solid! Die Defense war bis auf mehrere Ausnahmen in der Secondary überraschend stabil, obwohl Jalen Ramsey, unser wichtigster DB, mit Corona fehlte. Insgesamt hätten es locker vier oder fünf statt zwei Interceptions sein können! Die Special Teams...reden wir nicht drüber, außer über Matt Gay, der eine absolut großartige Leistung ablieferte. Gemischte Gefühle an der Stelle. Als nächsten Gegner haben wir die schwächelnden Seahawks (5-8) vor der Brust, das Spiel beginnt am kommenden Sonntag (19.12.) um 22:25 Uhr deutscher Zeit.